Unsere Smart-Home mit Homematic/Homematic IP

Smart Home ist ein Thema, dass mich besonders interessiert hat. Ich muss dazu sagen, dass ich etwas technikaffin bin und ich mich freue, wie ein kleines Kind, wenn ich Heizung und Rollläden mit dem Handy steuern kann. Smart Home war also für mich von Anfang an ein Thema, zumindest die Heizung wollte ich so steuern. Im Laufe der Planung und auch während der Bauphase sind dann noch Rollläden und Rauchmelder hinzugekommen, aber dazu später mehr…

Welche Smart-Home-Lösung nutzen?

Wie gesagt, hat mich das Thema Smart Home von Beginn an beschäftigt. Kern Haus bietet hier auch eine Lösung, aber als ich den Preis gehört habe, bin ich erschrocken. Etwa 8.000 € für die Grundausstattung… Warum ist das so teuer? Das muss doch auch anders gehen. Schon mal vorab, es geht. Nachdem ich den Preis gehört hatte, habe ich also angefangen zu recherchieren und mir verschiedene Systeme angeschaut. Ein Preistreiber bei diesem Thema ist z.B. die Verkabelung bei drahtgebundenen Systemen. Also ging meine Suche auch in Richtung Funksysteme. Viele Websites bieten Vergleiche verschiedener Systeme. Hier kann man sich hervorragend informieren. Ich bin schlussendlich bei Homematic/Homematic IP hängen geblieben. Folgende Punkte haben mich zur Entscheidung für dieses System geführt:

  • Es gibt eine Vielzahl an Geräten, u.a. eine Fußbodenheizungssteuerung (die wir dann doch nicht brauchten)
  • Es gibt funkbasierte Komponenten, die ohne kostspielige Verdrahtung auskommen. Hier noch eine Info für all diejenigen, die sich Gedanken bzgl. Elektro-Smog machen (das habe auch ich gemacht). Jedes Gerät darf nur 1 % pro Stunde, also 36 Sekunden, senden. In meine Augen war das völlig vertretbar.
  • Die einzelnen Komponenten sind preislich attraktiv.
  • Und für mich kleinen Technik-Freak: man kann sich die Steuereinheit auch selbst bauen (oder halt kaufen)

Homematic/Homematic IP

Ich versuche hier mal kurz einige Punkte zusammenzufassen, die ihr meiner Meinung nach bei diesem System wissen solltet. Homematic und Homematic IP sind zwei unterschiedliche Systeme, wobei Homematic IP das neuere von beiden ist. Es gibt teilweise von beiden Systemen die gleichen Komponenten. Was ist also der Unterschied? Der Unterschied besteht in der Steuerung. Homematic besitzt eine Steuereinheit (die CCU3 oder in meinem Fall RaspberryMatic), die in euer Netzwerk zu Hause eingebunden wird. Homematic IP wird mit Hilfe des Homematic IP Access Point gesteuert und kommuniziert mit der Cloud. Hier gibt es eine App, um das Ganze einzurichten und über das Smartphone zu steuern, das ist mit der CCU/RaspberryMatic schwieriger, aber ebenfalls möglich. Ein Nachteil von Homematic IP ist weiterhin, dass diese Möglichkeit der Steuerung per Smartphone bei Ausfall des Internets ebenfalls ausfällt. Und was man auf jeden Fall wissen sollte, nur die CCU/RaspberryMatic unterstützen sowohl Homematic als auch Homematic IP Komponenten, der Access Point nicht.

Die Steuerung mit RaspberryMatic

Ich habe mich daher gegen den Access Point und für eine Steuerung auf Basis von RaspberryMatic mit dem ELV Bausatz Charly* entschieden. Der Bausatz basiert auf einem Raspberry Pi 3B (für alle die den nicht kennen, das ist ein kleiner PC bestehend aus nur einer Platine) und bietet noch mehr Leistung als die CCU3. Lasst euch von dem Wort „Bausatz“ nicht abschrecken. Es beschränkt sich im Wesentlichen auf den Einbau von 2 Platinen in das Gehäuse (vielleicht 5 Schrauben) und das Einlöten eines einzigen SuperCaps. Wer also auch nur ein bisschen handwerklich begabt ist, was ihr bestimmt alle seid, und einen Lötkolben besitzt, der schafft das. Wie gesagt diese Lösung bietet mehr Rechenleistung und ist etwas günstiger als die CCU3. Die frei erhältliche Software RaspberryMatic könnt ihr sowohl auf diesem Selbstbausatz als auch auf der CCU3 installieren. Sie bietet etwas mehr Funktionalität. Hier ist der Link zur Website mit Download und Features.

Ich habe mir also schon im Laufe der Bauphase ein paar Komponenten bestellt und mit diesen mal ein bisschen rumgespielt. Zuerst habe ich die Steuerung zusammengebaut und die Firmware aufgespielt. Danach habe ich eine Funksteckdose eingerichtet und was soll ich sagen, auch das lief innerhalb von Minuten. Anschließend wurde es etwas komplizierter, denn mit welcher App steuert man nun das Ganze? Eine offizielle App für RaspberryMatic oder CCU3, Fehlanzeige. Ich bin dann bei der App TinyMatic hängengeblieben, die sich kostenlos testen lässt (die Zeit ist unbegrenzt, aber man hat nur 50 Steuerbefehle). Diese ließ sich problemlos mit meiner Steuerung im Heimnetzwerk verbinden und ich konnte meine Steckdose steuern. Ich greife hier mal kurz voraus, dass ich mich doch gegen die App entschieden habe, nicht weil ich irgendein Problem gehabt hätte, nein, ich habe einfach eine für mich besser passende Lösung gefunden (die aber auch mehr Aufwand bedeutet, bei eben auch mehr Individualität). Das System war also getestet und die Erfahrungen positiv. Damit stand einem Einbau im Haus nicht mehr im Wege.

Unsere verbauten Komponenten

Zu Beginn wollte ich nur die Fußbodenheizung steuern, dann habe ich mich aber noch dazu entschieden auch gleich die Rauchmelder aus diesem System mit zu wählen. Und, wir haben uns noch während der Bauphase dazu entschieden auch die Außenrollläden in den Hauptwohnräumen elektrisch zu betreiben, also haben wir auch die Schalter hierfür aus dem gleichen System gewählt.

Das heißt also, wir haben folgende Homematic/Homematic IP Komponenten gekauft und damit folgende Dinge gesteuert:

  1. Zur Steuerung der Heizung haben wir 9 Homematic IP Wandthermostate HmIP-BWTH für Markenstellantriebe mit 230 V* gekauft. Diese können die bereits im Haus eingeplanten Stellantriebe für die Fußbodenheizung ansteuern. Diese Wandthermostate haben gegenüber den Standard-Geräten den Vorteil, dass sie eine digitale Anzeige besitzen. Man kann hier die Wunschtemperatur auf 0,5 °C genau einstellen. Außerdem zeigen sie die aktuelle Temperatur und messen die Luftfeuchtigkeit. Weiterhin lassen sich 3 Heizprofile und 3 Kühlprofile (nur mit Wärmepumpe) einstellen.
  2. Für den Brandschutz haben wir 4 Homematic Funkrauchmelder HM-Sec-SD-2*, die zu einem Netz verbunden sind, was bedeutet, dass wenn einer auslöst, alle auslösen.
  3. Für die Steuerung der Außenrollläden haben wir 7 Homematic Funk-Rollladenaktoren HM-LC-Bl1PBU-FM* mit den passenden Adapterrahmen für unsere Schalter* gekauft. Achtet hier darauf die passenden Adapter für eure Schalter zu kaufen.
  4. Und zu guter Letzt haben wir noch einen Wassersensor*, der Alarm schlägt, sollte mal die Waschmaschine einen Schaden haben.

Eingebaut wurden die Sachen gleich mit durch den Elektriker, der auch schon Erfahrung mit dem System hatte. Alles in allem haben uns die Komponenten plus Einbau durch den Elektriker keine 2.000 € gekostet. Das Kern Haus System hätte uns locker das 4- bis 5-fache gekostet. Bisher sind wir mit allen Komponenten rundum zufrieden. Alles arbeitet auch ohne Internet und Smartphone. Und die Steuerung bietet Möglichkeiten, die ich bisher nur erahnen kann.

Die Erstellung von Programmen und die Steuerung über App

Ich habe zur Software RaspberryMatic die Zusatzsoftware RedMatic installiert, die eine grafische Programmierung der Logik ermöglicht. Dieses Addon ist ebenfalls der Grund dafür mich gegen die App zu entscheiden. Mit ihr kann man sich nämlich selbst eine grafische Weboberfläche zur Steuerung bauen und diese nach Belieben gestalten. Um von außerhalb des Netzwerkes auf das Smart Home zugreifen zu können, habe ich in meinem Router, einer Fritzbox 7530, einen VPN-Zugang eingerichtet. Mein Smartphone kann sich dann darüber von außen in mein Netzwerk einloggen und hat dann Zugriff auf alle Geräte, somit auch auf RaspberryMatic und das Webinterface.

Homematic Dashboard
RedMatic – Dashboard

Ein Hinweis zum funkbasierten System

Ich habe meine Smart Home Steuerung im Hausanschlussraum in der Ecke hängen. Das Gerät, das am weitesten hiervon entfernt ist, ist die Rollladensteuerung in einem der Kinderzimmer. Zwischen beiden Geräten liegen ca. 13m mit diversen Wänden und Türen, was die Funkqualität erheblich mindert. Mein erster Versuch dieses Gerät anzulernen ist wegen des schlechten Signals gescheitert. Hier kommt eine Besonderheit der Rauchmelder zum Tragen. Diese haben nämlich eine Repeater-Funktion, was bedeutet, dass sie das Signal nochmal verstärken. Einen Rauchmelder (max. bei 3 möglich) als Repeater geschaltet und voila, Gerät gefunden. Achtet also auf die Platzierung eurer Steuerung darauf alle Komponenten zu erreichen bzw. darauf, dass Ihr einen Repeater oder ein LAN-Gateway habt. 

Durch * werden Affiliate-Links gekennzeichnet.